Es war ein bewegter Tag, ein bewegender Tag. Selbst der Himmel schien dieser Meinung zu sein und bot von mildem Sonnenschein, über Regenbogen bis zu frostigen Nebelböen alles, was er zu geben hatte. Und das taten auch die über hundert Teilnehmenden. Zwischen ein bis sechsmal bezwangen Sie den Gotthard mit dem Velo, dem E-Bike, dem Rollstuhl oder dem Liegevelo, jede und jeder nach seinen Möglichkeiten.
Das race - die Stimmen
Corinne Imbach, Mitorganisatorin von Felder Events. Sie hat die vier Teams Aline auf die Beine gestellt.
«Am 8. Dezember 2009 wurde bei meinem Gottenmeiteli ein sehr seltener Hirntumor diagnostiziert. Nach einem sechswöchigen Kampf musste unser Engeli von uns gehen. Für meine ganze Familie brach die Welt zusammen - und noch viel mehr. Zu Ehren von Aline habe ich einen Spendenaufruf gemacht um beim race against cancer zu starten. Die positiven Rückmeldungen waren überwältigend, bis heute habe ich über 52 000 Franken gesammelt. Mit meinem Engagement möchte ich zeigen, was ein einzelner Mensch bewirken kann. Herzlichen Dank an alle, die mich und somit die Krebsliga unterstützt haben.
Team Aline 1 «Jassclub Gütsch» Hans Koch
«An dem Tag, als Alines Familie beschloss, am race against cancer teilzunehmen, hatten wir gerade unseren Jassabend. Spontan beschlossen wir mitzumachen, obschon wir alle Nicht-Velofahrer sind. Aber wir wollten mitmachen für Walter und Ursula Imbach, Grosseltern der kleinen Aline und für ihre Familie, da wir sie gut kennen. Natürlich trainierte ich vorher ein wenig und fuhr auch diese Strecke probeweise einmal ab, und dementsprechend lief es mir recht gut. Ich schaffte es bereits zweimal hoch, und ein drittes Mal schaffe ich es für Aline: Im Moment des härtesten Kampfes, im dicksten Nebel denke ich fest an Aline, und oben fühle ich mich dann jeweils zufrieden. Ja, ich nehme den Kampf gegen den Berg für Aline auf mich und finde es sehr schön, so der Familie meine Solidarität zu zeigen. Sie schätzen das auch sehr.»
Team Aline 2 «Semiprofis» Georg Fischer
«Ich war für dieses Rennen speziell motiviert: Ich kenne die Eltern und die Grosseltern der kleinen Aline. Deshalb nahm ich das Rennen mit einem der vier Teams Aline unter die Räder, ohne überhaupt alle anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu kennen. Das, was uns alle an diesem Tag verbindet, ist der Gedanke an Aline. Der Kampf am Berg war hart: Ich fahre zwar als Hobby Rad und schaffe es schon auf drei bis viertausend Kilometer jährlich, bin aber eher Amateur als Semiprofi. Dafür war es ein ganz besonderer Anlass, die Solidarität war den ganzen Tag ganz gut spürbar - eine gelebte Zusammengehörigkeit, ein echtes Zusammenkommen für Aline. Daran dachte ich ganz fest, als der Tremola-Wind eisig wehte und es oben hart wurde. Während ich am Berg kämpfte, hatte ich immer den Gedanken an Aline im Kopf.»
Prof. Jakob Passweg, Präsident KLS und Chefonkologe am Universitätsspital Genf
«Mein Arbeitsweg ist nicht so weit wie die Tremola, und vor allem nicht so steil, er dauert per Velo zweimal vier Minuten. Trotzdem bin ich hier mitgefahren, und die Stimmung war sehr gut, aber oben war es eiskalt. Für mich ist diese Veranstaltung ein toller Erfolg: Insgesamt ist es wie mit der Krankheit Krebs - ein langes Rauf und Runter. Ich persönlich begnügte mich mit einmal fahren - das ist für untrainierte Menschen genug. Ein guter Anlass - und für eine gute Sache findet man gute Leute! »
Ueli und Daniela Jud
«Dreimal Hochfahren war für mich Pflicht, jetzt werde ich freiwillig noch zweimal hochstrampeln. Meine Frau und ich nehmen als Team teil, aber wir fahren beide in unserem eigenen Tempo. Beim Fahren begleiten mich viele gute Gedanken an meine Eltern, die beide an Krebs gestorben sind, und an meinen Kollegen, der die erste Runde im Kampf gegen den Prostatakrebs gewonnen hat - er ist übrigens heute hier. Als ich gegen den Berg kämpfte, kam mir plötzlich der Gedanke, dass das ja ein Dessert ist im Vergleich zum Kampf, den Krebskranke durchmachen. Ich kam zwar vielleicht physisch an die Grenzen, aber bei mir fehlte der psychische Druck. Insofern war dieses Rennen für mich sehr speziell. Weil die Zeit keine Rolle spielte, ging es hier eher drum, an die eigenen Grenzen zu kommen. Ich finde diesen Anlass eine sehr gute Idee und würde gerne ein anderes Jahr wieder teilnehmen.»
Petra Henzi
«Viermal war ich oben, zweimal schaffe ich es sicher noch. Man muss schon sehr beissen, weil es so kalt und unfreundlich ist, aber die Stimmung oben auf dem Gotthard ist sehr gut und der Speaker macht seinen Job super. - Das ist eine gute Sache.»
Heinz Frei, Behindertensportler des Jahres 2009 fuhr zweimal lediglich mit der Kraft seiner Arme mit dem Liegevelo auf den Gotthard. Seine Lebensgefährtin Rita Locher hat ihn begleitet.
«Es freut mich, bei einer guten Sache dabei zu sein. Ich erlebe soeben aus nächster Nähe, was die Diagnose Krebs bedeutet: Meine Schwester hat Brustkrebs ist in Therapie. Die Fahrt über die Tremola auf den Gotthard ist für mich eine Premiere und sie ist symbolisch. Ein Kampf wie der Krampf mit der Krankheit. Man muss ihn aufnehmen wollen. Und das ist oft schwierig, vor allem, wenn man von der Diagnose und der Krankheit psychisch noch so mitgenommen ist. Man muss erst mal realisieren, dass man das Rad nicht zurückdrehen kann und den beschwerlichen Weg auf sich nehmen muss. Dann darf man hoffentlich erleben, dass man ein gutes Etappenziel erreicht. Für mich ist dieser Anlass eine Gelegenheit, Solidarität zu zeigen mit jeder Art von Schicksal, irgendwie ist man ja mit vielen Themen im selben Boot. Gleichzeitig möchte ich auf eine gute Sache aufmerksam machen. Je mehr Mittel für die Forschung zur Verfügung stehen, desto schneller findet man Heilmittel. Ich hoffe nicht zuletzt, dass dieser Anlass nachhaltig ist, dass es mal einfach dazugehört, hier teilzunehmen - das wäre doch ein Meilenstein.»
Matthias Kuratli, Coop-Team
«Schon der Morgen fing mit einem extrem schönen Regenbogen ganz besonders an - ein sehr symbolischer, schöner Tagesbeginn. Und auch während dem Rennen herrschte eine ganz besondere Stimmung: Den ganzen Tag über dachte ich sehr viel an meinen Bruder, der an Krebs gestorben ist, und fühlte mich sehr getragen von all den anderen Fahrerinnen und Fahrern, denen es ähnlich ging. Es ist schön, dass auch Coop die soziale Verantwortung übernommen und ein Team gesponsort hat für diesen sehr eindrücklichen, gut organisierten Anlass.»
IOC-Team de l'Equipe du Comité Olympique International «Yes we can»: un engagement qui va de soi
«J'ai pris connaissance de la course à la lecture de la newsletter de la Ligue contre le cancer. Il n'a pas été difficile de persuader mes collègues, tout comme notre directeur. Notre participation et notre engagement sont une évidence.»
Robert Dill-Bundi, die Radlegende hat selbst eine Krebserkrankung hinter sich und fuhr selbst die Tremola hoch.
«Ich habe gelernt, dass die Vergangenheit nicht wichtig ist und die Zukunft auch nicht sehr. Was wichtig ist, ist heute, jetzt. Menschen mit Initiative haben mich schon immer fasziniert, aus diesem Grund ist es für mich klar, dass ich diesen Anlass unterstütze. Da so viele Menschen von Krebs betroffen sind, ist es nötig dass man versucht, darüber zu sprechen und das Tabu zu brechen.»
Brigitte Baschung, Team Krebsliga, Bereichsleiterin Psychosoziale Dienste der Krebsliga Schweiz.
«Ich finde es schön, dass wir von der Krebsliga auch ein Team am Start haben. Sonst dürfen wir dort arbeiten und nun können wir auch noch in der Freizeit etwas beitragen und das gemeinsam tun. Das ist sehr emotional.»
Alba Masullo, Geschäftführerin der Tessiner Krebsliga
«Mit unserer Anwesenheit am race against cancer möchten die Krebsliga bei ihrem 100-Jahr-Jubiläum unterstützen und unsere Solidarität zeigen. Und es ist ein guter Anlass für uns, in unser 75 Jahr-Jubiläum überzuleiten, das wir als eine der ältesten kantonalen Ligen 2011 begehen dürfen.»
Dr. med. Franco Cavalli, Arzt, Krebsforscher und SP-Politiker, kam zum Startschuss, um seine Solidarität zu zeigen.
«Ohne Krebsliga fehlte in der Schweiz die langfristig verlässliche Stütze, die gute Forschung braucht»
Dr. med. Walter O. Frey, Sportarzt hat als Streckenarzt, das Sanitätszelt, das Hirslanden auf dem Gotthardpass zur Verfügung gestellt hat, betreut.
«Ich habe viel Erfahrung mit
solchen Gebirgsanlässen. Doch das race against cancer war für mich
ein tiefbeeindruckendes Erlebnis, im wahrsten Sinn nach dem
Motto never give up! Denn die Wetterbedingungen auf dem Pass
waren sehr widrig.
Wir hatten viel Gelegenheit, mit den
Teilnehmenden zu reden, zum Beispiel während der Massagen. Alle
sagten, es sei sicher kein Schleck, aber sie strahlten und freuten
sich. Das schlechte Wetter hat die besondere Stimmung
vermutlich sogar noch gefördert.
Für mich als Arzt gibt es noch
eine weiter Komponente: Im Gegensatz zu der Kardiologie, wo
Rehabilitation heute einfach dazu gehört, wird sie in der
Onkologe noch sehr steifmütterlich behandelt. Die physische
Betreuung hört meist mit dem Ende der Therapie auf. Dabei wäre
eine Rehabilitation auch hier sehr wichtig. Das race against
cancer als sportlicher Anlass, an dem auch viel ehemalige
Betroffene mitgefahren sind, zeigt auch, wie wichtig Sport hier
ist.»
Dr. med. Fabio Fransioli
«Meine Aufgabe und mein Anliegen als Arzt ist, zu helfen, wo Menschen leiden. In meiner Praxis sehe ich leider immer häufiger Patienten mit Krebs. Darum freut es mich, hier so viele Menschen zu sehen, welche diese Krankheit überwinden konnten.»
Roland Rino Büchel, Nationalrat, Oberriet SG
«Ich
erfuhr erst wenige Tage vor dem race against cancer, dass es
diesen grossen Benefizanlass zum 100-Jahr-Jubiläum der
Schweizerischen Krebsliga gibt. Mein inzwischen verstorbener
Vater hatte im Alter von rund 40 und 60 Jahren den Krebs in
monate-, ja jahrelangen Kämpfen zwei Mal besiegt. Deshalb
entschloss ich mich, teilzunehmen und der Krebsliga Fr. 5'000.--
zu überweisen.
Ich wollte ein Zeichen setzen. Und mich
bedanken, dass meine Gesundheit es mir erlaubt, an einem solchen
Anlass mitzumachen. In einer fröhlichen Runde nahm ich dann den
Mund etwas voll und versprach, die Tremola mit einem Militärvelo
hochzufahren.
Weil dieses nur über einen Gang verfügt, musste
ich es in den steilsten Abschnitten und bei starkem Gegenwind
jeweils schieben. Trotzdem kam ich vier Mal auf dem Gotthard an. Das
letze Mal gegen sieben Uhr abends, kurz vor Kontrollschluss.
Manchmal war es ziemlich hart. Dann dachte ich an meinen Vater und
an die Menschen, welche mit einem beispiellosen Einsatz gegen
den Krebs kämpfen. - Und schon ging es wieder.»
